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Growlampen für Anfänger: 5 Dinge, die ihr vor dem Kauf wissen solltet

Growlampen für Anfänger: 5 Dinge, die ihr vor dem Kauf wissen solltet

Ihr wollt indoor anbauen und braucht eine Growlampe?

Dann werdet ihr ziemlich schnell mit Zahlen bombardiert:

100 Watt. 240 Watt. 320 Watt. PPFD. µmol/J. Vollspektrum. Abstände von 30, 40 oder 60 Zentimetern.

Klingt komplizierter, als es eigentlich ist.

Aus unserer Sicht gibt es vor dem Kauf vor allem fünf Dinge, die ihr verstanden haben solltet. Danach könnt ihr ziemlich gut einschätzen, welche Lampe zu eurer Fläche passt – und warum die stärkste Lampe nicht automatisch die beste Wahl ist.


1. Kauft die Lampe nach eurer Fläche – nicht nach der höchsten Wattzahl

Der Klassiker:

Zwei Lampen stehen zur Auswahl. Eine hat 150 Watt, die andere 300 Watt.

Also muss die mit 300 Watt besser sein.

Nein.

Was bringt euch ein Auto mit 400 PS, wenn ihr damit sowieso nur mit 80 durch die Baustelle fahrt?

Bei Growlampen ist zuerst entscheidend:

Wie groß ist die Fläche, die ihr beleuchten wollt?

Als sehr grobe Orientierung bei modernen LED-Growlampen könnt ihr ungefähr mit diesen Bereichen rechnen:

Growfläche grobe Leistungsklasse
60 × 60 cm ca. 50–150 W
80 × 80 cm ca. 100–200 W
90 × 90 cm ca. 150–250 W
120 × 60 cm ca. 200–320 W
120 × 120 cm ca. 400–500 W

Bitte versteht diese Zahlen nicht als Gesetz.

Eine sehr effiziente Lampe kann mit weniger Watt hervorragende Ergebnisse liefern. Außerdem macht es einen Unterschied, ob ihr eure Fläche eher moderat beleuchten oder möglichst viel Leistung zur Verfügung haben möchtet.

Aber als Anfänger habt ihr damit schon einmal eine gute Größenordnung.

Merkt euch: Die Lampe sollte zur Fläche passen – nicht zum Ego.


2. Watt und PPFD sind zwei unterschiedliche Dinge

Hier kommt einer der wichtigsten Aha-Momente.

Watt sagt euch, wie viel elektrische Leistung eine Lampe aufnimmt.

Eine 300-Watt-Lampe nimmt bei voller Leistung ungefähr 300 Watt auf.

Aber daraus wisst ihr noch nicht automatisch, wie viel nutzbares Licht tatsächlich auf euren Pflanzen ankommt.

Dafür gibt es unter anderem den Wert PPFD.

Was bedeutet PPFD?

Die technische Erklärung können wir uns für den Anfang sparen.

Stellt euch eure Growlampe einfach wie eine Dusche vor.

Oben kommt Wasser heraus.

Interessant ist aber nicht nur, wie groß die Wasserleitung ist, sondern:

Wie viel Wasser kommt tatsächlich dort unten an, wo ihr steht?

Genau so könnt ihr euch PPFD vorstellen.

Nur dass wir keine Wassertropfen zählen, sondern Photonen – also vereinfacht gesagt Lichtteilchen.

PPFD beschreibt, wie viele für die Photosynthese nutzbare Photonen innerhalb einer bestimmten Zeit auf einer bestimmten Fläche ankommen.

Deshalb kann eine Lampe beispielsweise in der Mitte:

900 PPFD

erzeugen, während in den Ecken nur:

400 PPFD

ankommen.

Und genau deshalb sind die PPFD-Maps der Hersteller beim Lampenkauf durchaus interessant.

Nicht nur auf den höchsten Wert schauen!

Eine Lampe mit:

1.100 PPFD in der Mitte und 300 in den Ecken

ist nicht automatisch besser als eine Lampe mit:

800 in der Mitte und 600 in den Ecken.

Denn eure Pflanzen stehen normalerweise nicht alle auf exakt zehn Quadratzentimetern direkt unter der Lampenmitte.

Eine möglichst gleichmäßige Ausleuchtung der gesamten Anbaufläche ist mindestens genauso interessant wie ein beeindruckender Spitzenwert.


3. Mehr Licht ist nicht automatisch besser

Jetzt könnte man natürlich sagen:

Okay, verstanden.

Dann will ich einfach überall möglichst viel PPFD.

Auch das ist nicht unbedingt sinnvoll.

Eine kleine Jungpflanze benötigt nicht dieselbe Lichtintensität wie eine große Pflanze in einer späteren Entwicklungsphase.

Als grobe Orientierung könnt ihr euch ungefähr merken:

Phase grober PPFD-Bereich
sehr junge Pflanzen ca. 150–250
Wachstum ca. 300–500
frühe Blüte ca. 500–700
spätere Blüte ca. 700–900+, je nach Setup

Auch hier gilt:

Das sind Orientierungswerte und keine magischen Grenzen.

Eine Pflanze stirbt nicht plötzlich, weil statt 699 nun 701 PPFD auf ihr ankommen.

Die Tabelle zeigt euch aber etwas Wichtiges:

Eine Lampe, die über 1.000 PPFD liefern kann, muss nicht vom ersten Tag an auf 100 % laufen.

Im Gegenteil.

Mehr Licht verlangt auch mehr vom restlichen Grow

Das wird gerne vergessen.

Je mehr Licht eure Pflanze sinnvoll verarbeitet, desto stärker laufen auch andere Prozesse.

Plötzlich werden Dinge wie:

  • Temperatur

  • Bewässerung

  • Nährstoffversorgung

  • Luftfeuchtigkeit

  • CO₂-Versorgung

noch wichtiger.

Eine extrem starke Lampe alleine macht deshalb noch keinen guten Grow.

Wenn Temperatur, Wasser oder Nährstoffversorgung nicht hinterherkommen, bringt es wenig, einfach immer noch mehr Licht draufzugeben.

Für einen normalen Homegrow ist ein gut kontrollierbares Setup meist sinnvoller als irgendein PPFD-Rekord.


4. Abstand und Dimmer sind eure wichtigsten Stellschrauben

Eine der häufigsten Anfängerfragen lautet:

„Wie weit muss meine Growlampe von der Pflanze entfernt sein?“

Die etwas unbefriedigende Antwort:

Es gibt nicht den einen perfekten Abstand.

30 Zentimeter können bei einer Lampe optimal sein und bei einer anderen viel zu nah.

Und sogar bei derselben Lampe macht es einen Unterschied, ob sie auf:

25 %, 50 % oder 100 %

läuft.

Deshalb habt ihr im Prinzip zwei Stellschrauben:

1. Abstand

Hängt ihr die Lampe höher, verteilt sich das Licht über eine größere Fläche und die Intensität nimmt normalerweise ab.

Hängt ihr sie tiefer, steigt die Intensität direkt darunter.

2. Dimmer

Mit einem Dimmer könnt ihr die Leistung zusätzlich reduzieren oder erhöhen.

Genau deshalb würden wir beim Neukauf auf eine dimmbarere Growlampe achten.

Gerade am Anfang des Grows benötigt ihr häufig überhaupt nicht die volle Leistung.

Die bei vielen Lampen mitgelieferten Seilratschen sind ebenfalls nicht nur irgendein Zubehör. Damit könnt ihr die Höhe der Lampe innerhalb weniger Sekunden verändern.


PPFD mit dem Smartphone messen

Und jetzt kommt etwas ziemlich Praktisches:

Ihr müsst nicht unbedingt direkt ein mehrere hundert Euro teures PAR-Messgerät kaufen.

Es gibt mittlerweile Smartphone-Apps, mit denen ihr euch zumindest einen brauchbaren Richtwert für eure PPFD-Werte holen könnt.

Ein Smartphone ist kein geeichtes professionelles Photonenmessgerät.

Für einen normalen Homegrower kann es trotzdem extrem hilfreich sein.

Photone – Grow Light Meter

Eine der bekanntesten Apps dafür ist Photone. Für Anfänger aber nicht meine empfohlene App, da man hier im besten Falle noch einen Diffusor benötigt.

Aber mit der App könnt ihr eure Lichtintensität messen und beispielsweise vergleichen:

  • Wie viel PPFD habe ich in der Mitte?

  • Wie viel kommt in den Ecken an?

  • Was passiert, wenn ich die Lampe 20 cm höher hänge?

  • Wie verändert sich der Wert beim Dimmen?

Genau dafür finden wir solche Apps besonders interessant.

PPFD Meter

Eine zweite App, die bereits im Video beim Pott Planter zu sehen war, ist PPFD Meter.

Auch hier bekommt ihr einen Richtwert für die Lichtintensität und könnt verschiedene Positionen innerhalb eurer Growbox miteinander vergleichen.

Unser Tipp:

Probiert ruhig Photone und PPFD Meter aus und vergleicht die Ergebnisse.

Smartphones besitzen unterschiedliche Kameras und Sensoren, weshalb die Ergebnisse voneinander abweichen können.

Nehmt also eine Anzeige von beispielsweise 683 PPFD nicht als unumstößliche Wahrheit.

Interessanter ist:

„Hier bekomme ich ungefähr 680, aber in meiner Ecke nur 350.“

Damit könnt ihr arbeiten.


So solltet ihr eure Growbox messen

Macht nicht den Fehler, das Smartphone einmal direkt unter die Mitte der Lampe zu halten und danach zufrieden aufzuhören.

Messt auf Höhe eures Pflanzendachs mehrere Punkte:

Mitte, Ecken und Bereiche dazwischen.

Dann könnt ihr beispielsweise feststellen:

Einstellung A

Mitte: 1.000 PPFD
Ecken: 300 PPFD

Ihr hängt die Lampe etwas höher.

Einstellung B

Mitte: 750 PPFD
Ecken: 550 PPFD

Obwohl euer Spitzenwert jetzt kleiner ist, kann Einstellung B für die gesamte Fläche wesentlich sinnvoller sein.

Weniger maximaler PPFD kann also gleichzeitig eine bessere Beleuchtung bedeuten.

Das ist genau einer dieser Punkte, bei denen das ganze Thema Growlampen plötzlich deutlich mehr Sinn ergibt.


Kleiner Bonus: Was ist DLI?

Wenn ihr Photone oder PPFD Meter benutzt, wird euch wahrscheinlich irgendwann auch der Begriff DLI begegnen.

DLI betrachtet vereinfacht gesagt nicht nur die momentane Lichtintensität, sondern die gesamte Lichtmenge über den Tag.

Wieder unsere Dusche:

PPFD: Wie stark läuft das Wasser gerade?

DLI: Wie viel Wasser ist während der gesamten Dusche heruntergekommen?

Dadurch wird auch klar, warum die Beleuchtungsdauer eine Rolle spielt.

600 PPFD über 18 Stunden ergeben eine andere gesamte Lichtmenge als 600 PPFD über zwölf Stunden.

Für euren ersten Lampenkauf müsst ihr DLI aber noch nicht bis ins letzte Detail verstehen.


5. Schaut auch auf Effizienz, Ausstattung und Lichtverteilung

Wenn zwei Lampen grundsätzlich zu eurer Fläche passen, beginnt der interessantere Vergleich.

Schaut beispielsweise auf:

  • Dimmbarkeit

  • PPFD-Verteilung

  • Effizienz

  • Verarbeitung

  • Wärmeentwicklung

  • Garantie

  • Steuerungsmöglichkeiten

Bei modernen Growlampen findet ihr häufig auch einen Effizienzwert in µmol/J.

Auch den müssen wir nicht unnötig kompliziert machen.

Vereinfacht gilt:

Je höher der Wert, desto mehr nutzbares Pflanzenlicht erzeugt die Lampe aus der eingesetzten elektrischen Energie.

Eine Lampe mit knapp 3 µmol/J arbeitet beispielsweise deutlich effizienter als alte LED-Technik mit wesentlich niedrigeren Werten.

Auch die Bauform kann Einfluss auf die Ausleuchtung haben. Moderne Bar-Lampen verteilen ihre LEDs beispielsweise auf mehrere Leisten und können dadurch große Flächen sehr gleichmäßig beleuchten.

Und dann gibt es mittlerweile zusätzliche Funktionen.

Bei den neueren Vivosun AeroLights sitzt beispielsweise direkt in der Lampe ein Umluftventilator.

Die Idee dahinter ist ziemlich clever:

Die Lampe hängt sowieso direkt über den Pflanzen und gleichzeitig benötigt ihr Luftbewegung über und durch das Pflanzendach.

Ein integrierter Ventilator ersetzt natürlich nicht eure Abluft und je nach Setup auch nicht zwingend jeden zusätzlichen Umluftventilator.

Aber es zeigt ganz gut, dass man beim Lampenkauf mittlerweile auch auf mehr schauen kann als nur:

„Wie viel Watt hat das Ding?“

Je nach Modell kommen außerdem App-Steuerung, Automatisierung, ein einstellbares Spektrum oder die Verbindung mit einem Grow-Controller dazu.

Braucht eure Pflanze eine App zum Wachsen?

Natürlich nicht.

Aber wenn zwei Lampen ähnlich gut beleuchten, können genau solche Dinge den Unterschied beim Komfort machen.


Was kostet eine Growlampe eigentlich im Betrieb?

Auch das solltet ihr vor dem Kauf bedenken.

Nehmen wir einen Strompreis von ungefähr 31 Cent pro Kilowattstunde.

Eine 100-Watt-Lampe benötigt:

0,1 kW × 16 Stunden = 1,6 kWh pro Tag

Das sind ungefähr:

50 Cent pro Tag

beziehungsweise rund:

15 Euro im Monat.

Bei zwölf Stunden täglicher Beleuchtung wären es nur noch ungefähr 11 Euro im Monat.

Eine 300-Watt-Lampe benötigt bei gleicher Laufzeit ungefähr das Dreifache.

Natürlich läuft eure Lampe während eines kompletten Grows nicht zwingend permanent auf voller Leistung.

Gerade junge Pflanzen kommen normalerweise mit deutlich weniger Licht aus.

Aber genau daran erkennt ihr wieder, warum eine völlig überdimensionierte Lampe keinen automatischen Vorteil bringt:

Wenn eure Pflanzen die zusätzliche Leistung überhaupt nicht benötigen, freut sich möglicherweise vor allem euer Stromanbieter.


Welche Growlampe würden wir als Anfänger kaufen?

Wenn ihr aus diesem Artikel nur ein paar Dinge mitnehmt, dann diese:

1. Fangt mit eurer Growfläche an.
Nicht mit der höchsten Wattzahl.

2. Watt ist nicht gleich Licht bei der Pflanze.
Schaut auch auf PPFD, Effizienz und Lichtverteilung.

3. Mehr Licht ist nicht automatisch besser.
Die Pflanze muss es auch verarbeiten können.

4. Achtet auf einen Dimmer.
Zusammen mit dem Lampenabstand habt ihr damit zwei einfache Möglichkeiten, eure Lichtintensität anzupassen.

5. Vergleicht das Gesamtpaket.
Ausleuchtung, Verarbeitung, Effizienz und sinnvolle Zusatzfunktionen sind oft wichtiger als 50 Watt mehr auf dem Karton.

Und wenn ihr bereits eine Lampe habt oder eure neue Lampe eingerichtet habt:

Ladet euch Photone oder PPFD Meter herunter und spielt einfach mal damit herum.

Messt in der Mitte.

Messt in den Ecken.

Dimmt die Lampe.

Hängt sie höher.

Hängt sie niedriger.

Ihr werdet wahrscheinlich innerhalb von zehn Minuten mehr über eure Beleuchtung verstehen als nach einer Stunde Datenblätter vergleichen.

Denn am Ende geht es bei einer guten Growlampe nicht darum, möglichst viel Licht irgendwie ins Zelt zu ballern.

Es geht darum, die richtige Menge Licht möglichst sinnvoll und gleichmäßig auf eure Pflanzen zu bekommen.

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